HC Strache und Johann Gudenus mit Lockvogel J. H. auf Ibiza - Foto: Screenshot/Public Domain

Indiskretion auf Ibiza

Ex-Vizekanzler Strache sprach auf Ibiza über den "größten Drogendealer Wiens" und einen hochrangigen Politiker, der bei diesem Szenegastronomen Stammgast ist. Allein die Aussage, dass ein enger Freund des Ex-Kanzlers ein großer Drogendealer sein soll, ist von öffentlichem Interesse. Strache impliziert damit nichts geringeres als die Erpressbarkeit seines ehemaligen Koalitionspartners.


Im Buch "Die Ibiza Affäre", das heute in den Buchhandel kommt, schildern die preisgekrönten deutschen Journalisten Bastian Obermayer und Frederik Obermaier im Detail, wie Ex-Vizekanzler HC Strache die halbe Republik an eine vermeintliche Russin mit angeblich guten Kontakten zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verscherbeln wollte. HC Strache sprach aber auch, im Glauben dass es sich entweder um eine echte Russin oder eine Falle handeln könnte, über andere Politiker.

Martin Ho, in dessen Club X laut Zoom-Recherche vom vergangenen Winter - freilich nicht vom Inhaber selbst - mit Kokain gehandelt wird, wird von den Journalisten der Süddeutschen Zeitung nicht explizit genannt. Zu schwer sind die Vorwürfe und zu dünn scheinen die Beweise zu sein. Ihnen liegt bloß die Aussage des ehemals zweitmächtigsten Mannes der Republik vor, als sie das Buch verfassen. Im Enthüllungsbuch wird ein "Szenegastronom" genannt, in dessen Lokalen ein "hochrangiger Politiker Stammgast" sein soll. Strache bezeichnet den Wirten, bei dem es sich laut Zoom-Informationen um Martin Ho handeln soll, als den "größten Drogendealer Wiens". Er spricht blumig von "Drogenorgien", die in extra für den Konsum vorgesehenen "Hinterzimmern" stattfinden sollen. Strache spricht nicht davon, einen Beweis dafür zu haben und laut Einschätzungen von Zoom übertreibt er bei dem Gespräch auf Ibiza. Aber allein die Aussage, dass ein enger Freund des Ex-Kanzlers ein großer Drogendealer sein soll, ist von öffentlichem Interesse. Strache impliziert damit nichts geringeres als die Erpressbarkeit seines ehemaligen Koalitionspartners.

"Der größte Drogendealer Wiens"

HC Strache auf Ibiza über einen "Szenegastronomen"

Ein hochrangiger politischer Konkurrent kaufe bei dem Szenewirten "Koks", wird Strache in dem Buch zitiert. Im sagenumwobenen Club von Martin Ho könne man "zum Essen Drogen bestellen". Es gebe sogar das ein oder andere Foto. Eine perfekte "Geschichte", die man "übers Ausland spielen" solle. Die ÖVP solle am besten denken, dass die SPÖ hinter der Veröffentlichung stehe. So sah der Plan von HC Strache aus, seinen Partner und Konkurrenten mit Koks-Kompromat zu stürzen. Es kam dann bekanntlich anders, als er sich dachte.

Politisch brisante Fragen

Strache wählte nicht den Weg an die Öffentlichkeit, sondern den Weg ins Vizekanzleramt. Sein damaliger Intimus und Parteistratege Herbert Kickl zog bekanntlich ins Innenministerium. Haben Strache und Kickl die ganze Zeit gedacht oder gewusst, dass ihr Kanzler Sebastian Kurz eng mit dem "größten Drogen-Dealer Wiens" befreundet ist? War Johann "Joschi" Gudenus, der angeblich nur einmal im X war und dort nicht bedient wurde, selbst kompromittiert oder fand man eine Lösung mit der ÖVP? Warum hat Sebastian Kurz im Gegensatz zu Christian Kern keine Klage gegen den ehemaligen Vizekanzler angekündigt? Was sagen die Verfassungsschütz*innen dazu, dass der Vizekanzler einer vermeintlichen Russin mit guten Kontakten in die Machtzirkeln Moskaus, Kompromat über den damaligen Außenminister verriet? Wann wussten sie davon? Die Staatsaffäre auf Ibiza wird Österreich weiterhin beschäftigen.

Die Zoom Reportage über das Bro-Netzwerk von Martin Ho und Sebastian Kurz gibt es im ersten Teil der Serie über Kurz & Ho nachzulesen. Einen exklusiven Lokalaugenschein über Drogenhandel im Club X gibt es im dritten Teil der Serie. Das Buch "Die Ibiza Affäre" der SZ-Investigativjournalisten und SPIEGEL-Bestseller-Autoren Frederik Obermaier und Bastian Obermayer ist am 22. August bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Update 22.8.2019, 10:37 Uhr: Ergänzung Erklärung öffentliches Interesse, Erpressbarkeit, Übertreibungen von Strache

Update 22.8.2019, 13:37 Uhr: Aus "Nacht auf Ibiza" wurde "Staatsaffäre auf Ibiza"

Update 22.8.2019, 15:41 Uhr: Statt "im Wissen, dass es sich um eine Falle handeln könnte" schreibt Zoom nun "im Glauben, dass es sich entweder um eine echte Russin oder eine Falle handeln könnte"