"I know what you dipped last summer": An der Bar der Pratersauna wird auf den Konsum von MDMA angespielt und Drogen mit dutzenden Flyern geradezu zelebriert. Foto: Zoom

Drugchecking

Das Landeskriminalamt Wien analysierte von Zoom überreichte Drogen, die in der Pratersauna gekauft wurden. Es handelt sich eindeutig um Kokain, Speed und Ecstasy.


Ursprünglich wollte Zoom Drogenproben, die im Rahmen von Lokalaugenscheinen im Beisein der Redaktion erworben wurden, bei der Wiener Oranisation Checkit analysieren lassen. Die Beratungsstelle informiert über Gefahren von einzelnen Substanzen, gibt Safer Use Tipps und testet regelmäßig Drogen auf ihre Inhaltsstoffe. Einen zeitnahen Termin konnte Checkit Zoom nicht zur Verfügung stellen. Die letzte Prüfung des Chemiker*innen-Teams fand am 24. August 2019, im Rahmen der "Psyperience Pool Party" der Pratersauna statt.


Bei einem Event der Pratersauna im August konnte Checkit besonders reines Kokain bei der "Psyperience Pool Party" der Pratersauna testen. Ob das Kokain tatsächlich auch im Club gekauft wurde, kann Zoom nicht bestätigen. Foto: Screenshot/Checkit

Daher wurden die in der Pratersauna gekauften Proben dem LKA Wien zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis dokumentierte der ermittelnde Beamte in einem Vernehmungsprotokoll, das sich bereits im Akt der Staatsanwaltschaft Wien befindet. Die Analyse ist eindeutig: Es handelt sich bei den im Club von Martin Ho erworbenen Substanzen um Kokain, Speed und Ecstasy.


Auszug aus einem Vernehmungsprotokoll des LKA Wien. Ein Test des LKA Wien bestätigt, dass sich in den Proben tatsächlich Kokain und Speed befindet. Foto: Zoom

Bei dem ersten Deal, den Zoom mit einem Aufnahmegerät dokumentiert hat, dauerte es gerade einmal 30 Minuten, um nach dem Eintreffen im Club den bereits von vorangegangenen Besuchen in dem Club Pratersauna bekannten Dealer zu finden und ihn beim Verkauf von Drogen an eine unbekannte Person zu beobachten. Obwohl die Identifikation des Dealers ohne Probleme klappte, haben die Sicherheitskräfte des Clubs von Martin Ho, die mehrmals an dem Dealer vorbeigangen sind, in die Handlungen nicht eingegriffen. Der Ares Safty GmbH, deren Geschäftsführer Matthias Prinner auch Mitglied der United Tribuns ist, wird daher vorgeworfen, für den reibungslosen Verkauf von Drogen verantwortlich zu sein. Ob es sich dabei um Fahrlässigkeit oder Vorsatz handelt, kann nur die Justiz abschließend klären.


Auszug aus einem Vernehmungsprotokoll des LKA Wien. Zoom hat dem LKA neben in der Pratersaune gekauften Drogen auch Audio-, Video- und Fotomaterial übergeben. Foto: Zoom

Klar scheint jedenfalls, dass in den Clubs von Martin Ho der Drogenkonsum geradezu zelebriert wurde. Bei einem weiteren Besuch von Zoom in den Morgenstunden des 7. Juli wurde nicht nur der "Stammdealer" der Pratersauna wieder getroffen. Die Bar des Clubs war auch mit unzähligen Flyern geschmückt. Der Text "I know what you dipped last summer" spielt für die Gäste unzweideutig auf den Konsum von MDMA-Kristallen an. Ein Experte rät hingegen von dieser Konsumform ab, da dadurch Zahnfleisch und Zähne von der toxischen Substanz geschädigt werden können. Eine "Bombe" (damit ist eine kleine Menge MDMA in einer Kapsel aus Gelatine oder mit einem Zigarettenpapier umwickelt gemeint) sei laut VICE die beste Konsumform der Droge, die im Gegensatz zu Kokain Empathie für Mitmenschen erhöht und daher bei Club-Betreiber*innen und dem Partyvolk gleichsam beliebt ist.

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Update 23.9.2019 00:05 Uhr: Der Screenshot der Datenbank von Checkit vom März 2019 wurde mit einer aktuelleren Probe vom August 2019 ersetzt.