United Tribuns Vorstand Nemir Ćulum (links) mit Secretary Fritz Lemberger (rechts), der auch als weltweiter Sprecher der Organisation fungiert. Foto: Screenshot/Facebook

Omertà oder Material

Über einen Mittelsmann wurde Zoom kompromittierende Information über Sebastian Kurz angeboten. Der Türsteher, der auch Tribun ist, würde als Quelle zur Verfügung stehen, wenn Zoom fair oder gar nicht über sie berichtet. Auch der Sprecher der United Tribuns machte Zoom in einem Interview ein Angebot zur Kooperation.


"Wir haben das Material. Wir stecken in der Materie drinnen. Wir wissen, um was es geht", sagt Fritz Lemberger am Telefon. Auf der anderen Ende der Leitung ist es zu diesem Zeitpunkt still. Kurz davor sprach Lemberger von einer möglichen "langfristigen" Zusammenarbeit zwischen Zoom und den United Tribuns und einer "Win-Win"-Situation. "Da sind wir jetzt bei Omertà. Wir reden nicht mit der Polizei, wir reden nicht mit der Presse. Aber reden mit den Leuten, die auch fair zu uns sind und korrekt sind. Sie als Journalist wollen einfach eine gute Story haben", ergänzt er sein Angebot.

Auf ein derartiges Kooperationsangebot "Omertà" (das Schweigegelübde der Mafia) oder "Material" kann sich ein Medium wie Zoom nicht einlassen. Immerhin geht es um die Aussagen eines ranghohen Mitglieds einer Gruppierung, die vom Bundeskriminalamt der organisierten Kriminalität zugeordnet wird.

Der Mittelsmann

Was genau Lemberger damit gemeint haben könnte wird einige Tage danach klarer. Die Redaktion wurde von einem Mittelsmann kontaktiert. Bei einem Treffen in einem Wiener Café erzählt der Mann, dass ein Türsteher, der ebenfalls Tribun ist, kompromittierende Informationen über Sebastian Kurz hat und unter Umständen mit Zoom als Quelle spricht. Der Mann rät Zoom wie Lemberger, über die United Tribuns "fair" oder am besten gar nicht zu berichten.

Zoom hat sich grundsätzlich einer fairen Berichterstattung verpflichtet aber hat dieses Angebot nicht angenommen und veröffentlichte gestern eine Recherche zu den United Tribuns, deren Mitglieder mit der Ares Safety GmbH für den reibungslosen Verkauf von Drogen im Club Pratersauna verantwortlich gemacht werden. Der Geschäftsführer der Ares Safety Gmbh, die für die Sicherheit in den Clubs von Martin Ho zuständig ist, ist gleichzeit Mitglied der United Tribuns. Ob die Ares Safety grob fahrlässig oder vorsätzlich handelt, kann nur die Justiz abschließend klären. Ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Wien ist bereits anhängig.

Bei den Recherchen zu den United Tribuns ist Zoom auch auf einen SPÖ-Bezirkspolitiker gestoßen, der als Fotograf und Kampfsport-Fan mehrfach Kontakt zu Mitgliedern der United Tribuns hatte. Zoom konnte am Samstag Vormittag einen Sprecher der Partei erreichen und ihn mit dem Sachverhalt konfrontieren. "Grundsätzlich ist eine Nähe zu den United Tribuns problematisch", sagt der SPÖ-Sprecher gegenüber Zoom.

Obwohl es sich nur um einen Bezirkspolitiker handelt, dessen bundespolitische Relevanz so gering ist, dass Zoom aufgrund von mangelndem öffentlichen Interesse seinen Namen nicht nennt, kann die SPÖ auf eine kritische Anfrage innerhalb weniger Stunden antworten und sich der Angelegenheit annehmen. Im Gegensatz dazu will sich Johannes Frischmann, der Sprecher von Sebastian Kurz, gar nicht zur Thematik äußern.

Wenn Sebastian Kurz erneut Kanzler werden will, muss er zu dem Thema Stellung beziehen. Haben die United Tribuns tatsächlich Kompromat über ihn? Hat sich der ehemalige Außenminister und Ex-Bundeskanzler erpressbar gemacht? Zoom hält das für durchaus wahrscheinlich. Immerhin sind Mitglieder der Organisation, die bereits wegen für die Mafia typischen Delikten wie Erpressung und Drogenhandel der österreichischen Justiz bekannt ist, für die Sicherheit in den Clubs von Martin Ho verantwortlich - wo es auch viele Sicherheitskameras gibt. Sebastian Kurz hat dort auch als Kanzler mehrmals bis in die Morgenstunden gefeiert. Zuletzt soll Kurz laut des Pressesprechers von Martin Ho am 30. März im Club X gewesen sein.

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Da sich United Tribuns Sprecher Fritz Lemberger im Gespräch mit Zoom über gekürzte Interviews von Medien beschwerte, veröffentlicht Zoom das gesamte über 70 Minuten lange Gespräch ungekürzt auf Soundcloud. Lemberger spricht über interne Strukturen der United Tribuns, über seine Einstellung zu Sebastian Kurz, HC Strache, die AfD, die Medien und Frauen, sowie über seinen ehemaligen Kollegen Peter H., der im Jahr 2017 von der Sondereinheit Cobra wegen Drogenhandels festgenommen wurde.

Update 23.9.2019 00:05 Uhr: Auf Wunsch von Fritz Lembberger wurde der Mitschnitt des Interviews entfernt. Obwohl die Aussagen des Sprechers der United Tribuns ein differenziertes und durchaus interessantes Bild der Organisation zeigen und er weder sich selbst noch seine Kollegen im Interview belastet, hat die Veröffentlichung offensichtlich "Stress" innerhalb der Organisation ausgelöst. Da Zoom die Dynamik dieser Entwicklungen nicht nachvollziehen kann, haben wir uns dazu entschlossen, das Interview auf Soundcloud von "öffentlich" auf "privat" zu stellen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die im Artikel zitierten Aussagen von Herrn Lemberger kein komplettes Bild über das Gespräch mit Zoom liefert. Diese Änderung wurde am 22.9. um etwa 11:25 Uhr durchgeführt.