Matthias Prinner ist für die Sicherheit im Wiener Club Pratersauna verantwortlich und Mitglied der United Tribuns, die vom Bundeskriminalamt der organisierten Kriminalität zugeordnet wird. - © United Tribuns Nomads MC Austria

United Tribuns

Für den reibungslosen Verkauf von Drogen im Wiener Club Pratersauna werden Mitarbeiter der Ares Safety GmbH, der Martin Ho die Sicherheit in seinen Clubs anvertraut, verantwortlich gemacht. Geschäftsführer der Ares Safety ist ein Mitglied der United Tribuns. Nach dem Chef der United Tribuns wird mittels internationalem Haftbefehl gefahndet.


Wie Zoom exklusiv berichtete, ist ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Wien anhängig, nachdem das Landeskriminalamt Wien Drogenhandel in den Clubs von Martin Ho anzeigte. Wiener Polizisten haben bereits seit geraumer Zeit konkrete Ermittlungsschritte gesetzt und Zeugenvernahmen durchgeführt. Zoom hat dem LKA Wien Audio- und Videoaufnahmen sowie Fotos zur Verfügung gestellt. Auf Ersuchen der ermittelnden Behörden hat sich Zoom dazu entschlossen, die Veröffentlichungen zu verzögern. Damit stand die Redaktion vor einer schwierigen Abwägung zwischen der Gefahr, Ermittlungen gegen die Drogenmafia zu gefährden und jener Gefahr, für die Öffentlichkeit relevante Informationen vor einer Richtungswahl zu unterdrücken. Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz ist vergangene Woche in Kritik geraten, nachdem der Falter die Buchhaltung der hochverschuldeten Volkspartei veröffentlichte. Allein für eine Feier von Sebastian Kurz mit seinem Team zu den ersten 100 Tagen Regierung wurden 26.000 Euro bezahlt. Besonders brisant daran: Nur kurz davor veröffentlichte Zoom einen Lokalaugenschein zu Kokain-Deals in dem Lokal. Aber das ist nicht der einzige Club von Martin Ho, in dem Zoom Drogenhandel dokumentieren konnte.


Der Dealer in dem gestreiften Shirt konnte über Monate in der Pratersauna ungestört Ecstasy, Speed und Kokain an Teenager verkaufen. - © Zoom

Drogenhandel in dem Club Pratersauna konnte ohne Störung durch Mitarbeiter der Ares Safety GmbH, die für die Sicherheit in den Clubs von Martin Ho zuständig ist, stattfinden. Ein Sicherheitsmitarbeiter des Club X bestätigte gegenüber Zoom, dass man nur eine Runde in der Pratersauna schauen müsse, um einen Dealer zu finden. Damit belastet er seine Kollegen schwer. Bei einem Lokalaugenschein in der Pratersauna konnten Journalist*innen von Zoom beobachten, wie Securities der Ares Safety mehrmals an einem Dealer im Club Pratersauna vorbeigingen. Dieser Dealer hat dort über Monate von den Securites ungestört seinen Geschäften nachgehen können. Er verkaufte Ecstasy um 10 Euro, ein Gramm Speed um 20 Euro sowie ein Gramm Kokain um 100 Euro. Seine Kund*innen waren zum Teil noch Teenager. Zoom geht davon aus, dass der Drogenhandel von den Mitarbeitern und der Geschäftsführung der Ares Safety zumindest toleriert wird. Sie werden für den reibunslosen Verkauf von Drogen im Wiener Club Pratersauna verantwortlich gemacht. Laut Informationen aus Deutschland verfolgt die Organisation "United Tribuns" sogar dieses Geschäftsmodell. Der Geschäftsführer der Ares Safety GmbH ist Mitglied der United Tribuns. Die Konkurrenten der Hells Angels werden vom Bundeskriminalamt der organisierten Kriminalität zugeordnet.


Ein Mitarbeiter der Ares Safety bewacht den Eingang der Pratersauna. Selim Gemah ist auch Vizepräsident des United Tribuns Nomads MC Austria. - © Zoom

Wie aus einem dem "Spiegel" vorliegenden vertraulichen Vermerk der nordrhein-westfälischen Polizei ("VS - Nur für den Dienstgebrauch") hervorgeht, haben sich bei den United Tribuns Männer vom Balkan, aus der Türkei und dem Libanon zusammengeschlossen, um ihre Schlagkraft zu Geld zu machen. "Es wurde an Veranstalter und Vertreter von Sicherheitsunternehmen mit der Forderung herangetreten, den Security-Dienst zu wechseln bzw. der Gruppierung 'die Tür' zu überlassen", wird der Polizeibericht im Spiegel zitiert. Ein Party-Veranstalter wurde bedroht und genötigt, den Sicherheitsdienst den United Tribuns zu übertragen. In Polizeikreisen gelte die Erkenntnis, dass jene Gruppierung, die an den Eingängen zu den Clubs steht, auch entscheidet, welche Drogen dort verkauft werden - und daran mitverdient.


Gruppenbild des United Tribuns Nomads MC Austria mit President Bülent Saglam (Mitte vorne), Vice President Selim Gemah (links vorne) und Member Matthias Prinner (rechts hinten)- © Screenshot/Instagram

Die United Tribuns sehen sich als "Outlaws" (Gesetzlose) und lehnen das bestehende Rechtssystem ab, warnen bayrische Verfassungsschützer*innen im Jahr 2017. Sie begehen für die Mafia typische Delikte wie Rauschgifthandel, Bedrohung oder Körperverletzung. Die Auflösung des Chapters Passau soll auf eine gewaltsame Auseinandersetzung mit den United Tribuns Wien zurückzuführen sein. Im Rahmen einer Veranstaltung der Wiener Gruppierung kam es aufgrund von Hierarchiestreitigkeiten zu Tätlichkeiten, in deren Folge das gesamte Chapter Passau die United Tribuns verließ und sich in den eigenständigen "Iron Bound MC" organisierte. Der Präsident der "Iron Bound MC Passau", der Österreicher Peter H., wurde 2017 wegen Drogenhandel von der Sondereinheit Cobra festgenommen. Einige Wochen vor der Festnahme hieß der Club noch "United Tribuns Passau", ein Ableger der von Bosnien aus geleiteten Rockergang, die seit sechs Jahren in Österreich expandiert.


Almir Ćulum (links) und Nemir Ćulum (rechts) führen die United Tribuns. Bild.de hat sie interviewt. - © Screenshot/Bild.de

Gegründet wurden die United Tribuns 2004 in Baden-Württemberg vom bosnischen Ex-Boxer Almir Ćulum, der auch als Armin Culum oder "Boki" bekannt ist. In den Anfängen rekrutierten sie sich laut bayrischem Verfassungsschutz größtenteils aus Türstehern und Kampfsportlern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Inzwischen finden sich auch türkische, arabische und deutsche Staatsangehörige unter ihnen. Die Mitglieder der United Tribuns sind überwiegend im Sicherheitsgewerbe oder in der Türsteherszene tätig. Der Großteil von ihnen geht einer Kampfsportart nach.

Könige der Balkanroute

Vor zehn Jahren konnte sich Almir Ćulum kurz vor einer Großrazzia im Rotlichtmilieu von Deutschland ins Ausland absetzen. Seitdem wird der Anführer der United Tribuns, dem die deutsche Justiz Menschenhandel und ausbeuterische Prostitution vorwirft, mittels internationalem Haftbefehl gesucht. Seitdem übernimmt sein Bruder Nermin Ćulum die operativen Geschäfte der "Könige der Balkanroute". Im April dieses Jahres wurde das Brüderpaar Nermin und Almir im Rahmen des Mordes an einem Unternehmer festgenommen. Slavisa Krunic war unter anderen Besitzer einer Sicherheitsfirma und einer Bäckereikette. In Interviews hatte er sich vor einigen Jahren darüber beklagt, dass auf ihn Druck ausgeübt worden sei, seine gut gehenden Firmen zu verkaufen. Wie er damals sagte, stehe keine der regierenden Parteien in der serbischen Landeshälfte Bosniens hinter ihm. Bosnien-Herzegowina ist seit dem Bürgerkrieg von 1992 bis 1995 in zwei weitgehend autonome Landesteile aufgeteilt - in die von Bosniaken und Kroaten regierte Föderation und in die Serbische Republik, in der der nationalistische Politiker Milorad Dodik das politische Geschehen bestimmt. Kritiker werfen ihm Korruption und Verquickung mit dem organisierten Verbrechen vor. Innenminister Lukac gilt als sein enger Vertrauter. Der Westbalkan ist nicht nur eine bekannte Route für Menschenhändler. Auch besonders reines Kokain und andere Drogen werden über diese Region nach Österreich, die Schweiz und Deutschland transportiert.

Wie konnte es dazu kommen, dass eine derartige Gruppe für die Sicherheit in den Clubs zuständig ist, in denen bis vor kurzem noch die Elite Österreichs mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz bis in die frühen Morgenstunden zu feiern pflegte? "Das Privatleben der Parteispitzen ist Tabu. Das ist ein blinder Fleck für das BVT", erklärt ein Geheimdienstexperte. Und was sagt Sebastian Kurz? Er schweigt. Für Fragen steht weder er noch sein Team zur Verfügung.

Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Update 24. September 18:18 Uhr: In der ursprünglichen Version stand, dass Mitarbeiter der Ares Safety den Drogenhandel in der Pratersauna tolerieren oder sogar organisieren würden. Dies wurde präzisiert. Nun steht, dass diese für den reibungslosen Verkauf von Drogen verantwortlich gemacht werden. Ob es sich um Fahrlässigkeit oder Vorsatz handelt, kann nur die Justiz feststellen.