Club X mit Blick auf die Bar © Zoom

Drogenhandel X

Zum Club X in der Wiener Innenstadt haben nur besondere Gäste und ihre Begleitung Zugang. Trotz der strengsten Zugangskontrolle der Stadt und prominenter Stammgäste wie Ex-Kanzler Sebastian Kurz, wird in dem Lokal von Martin Ho mit Kokain gehandelt. Ein Lokalaugenschein.


Der erste Besuch im Club X verläuft anders als erwartet. Offiziell soll man nur mit speziellen Schlüsseln Zutritt haben. Martin Ho hatte 500 davon vorrangig in seinem „Freundes- und Bekanntenkreis, sowie an langjährige Kunden und Partner und Partner von Partnern“ verteilt. „Das X ist nicht entstanden, um ein weiteres Gastronomieprojekt von mir zu etablieren, sondern um den Personen, die uns naheliegen, eine Plattform zu bieten, sodass sie in kleinem Rahmen ausgehen“, verriet Ho in einem Interview mit dem Magazin Biber.

Der Autor dieser Reportage geht mit seiner Begleitung, die nicht zum ersten Mal im Kelleretablissement in der Wiener Wollzeile zu Gast ist, die Treppen hinunter und gibt seine Jacke an der Garderobe ab. Es ist ein milder Wintertag Anfang des Jahres 2019. Die gerade angekommenen Gäste gehen direkt zum hinteren Ende der Bar und begrüßen einen Kellner. Es werden zwei Gläser Gin Tonic bestellt und ein Gramm Kokain. 30 Euro für die zwei Gläser Gin Tonic und 100 Euro für das Koks. Wenige Minuten nach dem Eintritt in den geheimnisvollen Club sitzen die Gäste mit zwei Gin Tonic und einem kleinen Plastiksäckchen Kokain auf einem edlen Chesterfield Sofa. „Der Kellner verkauft Koks?“, fragt der Neuling verwundert. „Nein, da kommt immer jemand in das Lokal“, antwortet der erfahrene Gast. Ein spezielles Service für Gäste mit den höchsten Erwartungen.

Der Club X ist, obwohl es kurz nach Mitternacht ist, ziemlich leer. Nur ein paar Personen sammeln sich um die Bar. Die Tische sind alle unbesetzt. Es herrscht reges Kommen und Gehen, obwohl der Besuch von Zoom nur etwa 30 Minuten dauert.

Beim zweiten Besuch von Zoom im Memberclub von Martin Ho herrscht eine ähnliche Atomsphäre. Wieder hat sich Zoom Zutritt zum Club mit einer Person verschafft, die nicht für das journalistische Projekt arbeitet. Dieses Mal werden die Gäste an der Bar allerdings als Fremdkörper wahrgenommen. Ein Kellner weist auf das strenge Fotoverbot hin. Zoom ist mit Video- und Audioaufnahmegeräten ausgestattet und versucht Gäste zu interviewen. Im holzvertäfelten WC kommen und gehen Zweiergruppen aus den und in die Kabinen. Überall befinden sich Rückstände vom Kokainkonsum. Am Boden liegt ein zusammengefalteter Strohhalm, der wohl als sogenanntes „Ziehrohr“ verwendet wurde. Das ist hygienischer als die Verwendung eines zusammengerollten Geldscheins und entspricht den „Safer Use“-Empfehlungen von Drogenberatungsstellen. Auf der rauen Holzablage hinter der Toilette sind Rückstände von Kokain zu erkennen.

Gespräch mit Mister X

Am Ende der Nacht sitzen die Gäste, die eigentlich nicht dazu gehören, neben einem großgewachsenen Mann mit Glatze, der mehrere Kampfsportarten beherrscht. Der Mann gibt sich im Gespräch mit Zoom als Mitarbeiter des Clubs aus. Er sei „Mädchen für alles“ hier und schaue darauf, dass hier alles passe. Er erzählt vom Sicherheitskonzept des Clubs und von seinem Training im Personenschutz. Am Eingang befinden sich keine Securities. Nur eine Dame in eleganter Abendgarderobe steht hinter einem Tisch, auf dem ein Gästebuch liegt. „Wenn es Stress gibt, kommen acht Leute aus allen Löchern heraus. Wir brauchen fünf Sekunden, bis jemand bei der Tür ist“, erklärt der Mitarbeiter von Martin Ho. Mit den anderen Sicherheitsleuten sei er „verkabelt“. „Stress“ habe es bisher nur außerhalb des Clubs gegeben. Enttäuschte Männer, die an der Tür abgewiesen werden, müssten manchmal mit Körperkraft am Eintritt gehindert werden. Im Club selbst habe es die letzten zweieinhalb Jahren keine Probleme gegeben. Es seien ja nur ausgewählte Gäste hier, die sich zu benehmen wissen.

"Wenn es Stress gibt, kommen acht Leute aus allen Löchern heraus."

Ein Mitarbeiter von Martin Ho

Auf die Frage, wo man am besten in den frühen Morgenstunden noch „etwas besorgen“ könne, schlägt der Mitarbeiter des Club X die Pratersauna vor. Mit dem Taxi seien wir in ein paar Minuten bei dem Technoclub von Martin Hos DOTS Gruppe. Dort müsste man nur „eine Runde schauen“ und schon werde man fündig. Auch die Musik sei dort besser. Zur Qualität des Stoffs konnte er keine genaueren Angaben machen. „Ich bin jetzt sicher schon zehn Jahre sauber“, merkt er an. Er vertrage „nicht einmal Alkohol“ und habe auch vor zehn Wochen das Rauchen aufgegeben.

Während der DJ „Jenny from the block“ von Jennifer Lopez auflegt, verlässt Zoom das Lokal und steigt in ein Taxi Richtung Pratersauna.

Zoom veröffentlicht die E-Mail Anfragen zur Recherche:
Anfrage an Martin Ho
Anfrage an Sebastian Kurz

Hinweis: Zoom hat sich dazu entschieden, Audio- und Videoaufnahmen nicht zu veröffentlichen, da darauf auch völlig unbeteiligte Personen zu erkennen sind. Diese Aufnahmen werden bei Bedarf der Justiz zur Verfügung gestellt.

In wenigen Tagen veröffentlichen wir den vierten von insgesamt zwölf Teilen unserer Recherche über Sebastian Kurz und Martin Ho. Hier geht's zum ersten und zweiten Teil der Serie.