Walter Meischberger fragte sich lange "Wo woar mei Leistung?" © Screenshot/ORF

Meischbergers Leistung

Wie das Geld des ehemaligen FPÖ-Generalsekretärs Walter Meischberger den Grundstein für einen der bekanntesten Wiener Techno Clubs legte - und warum der Miteigentümer eines Hip Hop Clubs einen Orden für den Polizisten aus dem „Prügelvideo“ fordert - berichtet Zoom in der zweiten von zwölf Folgen der Serie über Sebastian Kurz und Martin Ho.


Am vergangenen Wochenende war der wohl bekannteste Gast des ersten Abends in der Pratersauna verhindert. Zehn Jahre nach der Eröffnung des Wiener Techno Clubs hat Karl-Heinz Grasser, der als Finanzminister von der FPÖ zum Team der ÖVP übergelaufen war, gerade den 103. Tag des wahrscheinlich größten Korruptionsverfahrens der Republik hinter sich gebracht. Zum Feiern in der Öffentlichkeit ist ihm wohl nicht zu Mute. Vor Gericht hat ihn sein ehemaliger enger Mitarbeiter Michael Ramprecht erneut schwer belastet und die Privatisierung von Staatsimmobilien als „abgekartetes Spiel“ bezeichnet. Der ehemalige FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger kassierte damals knapp 8 Millionen Euro an Provisionen.

Treue Hände

Im Juni 2010 deckte das Nachrichtenmagazin NEWS auf, wie Grassers Trauzeuge sein vorwiegend während der schwarz-blauen Koalition in den Jahren 2000 bis 2005 angehäuftes Vermögen investierte. Meischberger sei im „Innenverhältnis zudem an Immobilienfirmen beteiligt, die offiziell Ernst Plech gehören“. So halte Meischberger 50% der von Plech gehaltenen Anteile an der Verena Thöni GmbH.

Die Verena Thöni GmbH ist jene Gesellschaft, die Eigentümerin des Gebäudes der Prater-Sauna ist, in dem sich heute der Hip Hop Club VIE I PEE und der Techno Club Pratersauna von Martin Hos DOTS Gruppe befinden. Soll heißen: Martin Ho überweist als Geschäftsführer die Miete an eine Firma, die letztlich zu etwa 45% im Eigentum von Walter Meischberger stand – oder steht. Ob dieses „Innenverhältnis“ weiter besteht, konnte Zoom nicht abschließend klären.

Ernst Karl Plech hält indirekt laut Firmenbuch knapp 90% an der Verena Thöni GmbH über die PLECH & PLECH Immobilientreuhänder Gesellschaft m.b.H. Sein Sohn Markus Plech die restlichen 10%. Von der Tageszeitung Die Presse auf die Prater-Sauna angesprochen, gab Meischberger an: „Das ist eines der Immobilien-Investments, die mein Freund Ernst Karl Plech für mich getätigt hat. Mit ihm habe ich lange gute Geschäfte gemacht. Aus heutiger Sicht würde ich meine langfristigen Veranlagungen aber nicht mehr so mit ihm machen, um eine offensichtlich schiefe Optik zu vermeiden.“


Rechts klicken und Bild in neuem Tab öffnen, um die Grafik zu vergrößern © Zoom

Eines ist sicher: Ohne das Geld von Walter Meischberger hätte am vergangenen Wochenende kein zehnjähriges Jubiläum gefeiert werden können. Die letzten zehn Jahre Wiener Clubgeschichte in der Pratersauna sind zu einem Teil auch Meischbergers Leistung. Er hatte mit seinem Investment über Plech einen der beliebtesten Techno Clubs im deutschsprachigen Raum ermöglicht.

Als die Gerüchte über die verdeckte Beteiligung von Walter Meischberger vor neun Jahren zum ersten Mal kursierten, waren die damaligen Betreiber überrascht und wütend. Dass Meischberger die Hälfte jenes Anteils gehört, den Ernst Karl Plech nur indirekt über seine PLECH & PLECH Immobilientreuhänder Gesellschaft m.b.H hält, wussten die Gründer der Pratersauna nicht. Spätestens nach der zweiten Verschachtelung verlor man den Faden.

Die Beteiligung eines ehemaligen FPÖ-Generalsekretärs am Projekt „Pratersauna“ war für die Gründer „Rufmord“. Nicht ganz zu unrecht: Ein Club lebt von einem Publikum, das tolerant und divers ist. Da passt die FPÖ zumindest nicht zum offiziellen Konzept.

Karl-Heinz Grasser, Walter Meischberger und Ernst Karl Plech sind derzeit Angeklagte im BUWOG Prozess. Für alle genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Orden für das "Prügelvideo"

Zu einem Glaubwürdigkeitsproblem könnte jetzt ein Miteigentümer der DOTS Prater GmbH, die das VIE I PEE betreibt, werden. Rechtsanwalt Nikolaus Rast, den Strafverfahren mit hohem Medieninteresse fast wie ein Magnet anziehen, hat den Fall eines Polizisten übernommen, der Hauptdarsteller eines laut Amnesty International „widerwärtigen Prügelvideos“ ist. Ein Fall von Polizeigewalt, wie die Kleine Zeitung festhält.


Strafverteidiger Rast spricht mit Gerichtsreporterinnen © Screenshot / oe24.tv

Klare Worte gegen Polizeigewalt haben im Hip Hop eine lange Tradition. Da passt ein Miteigentümer nicht ins Bild, der als Strafverteidiger seinen Klienten nicht nur vor Gericht, sondern auch gegenüber Medien vertritt. "Dem gehört ein Orden verliehen", fällt Nikolaus Rast ein, wenn er das "Prügelvideo" betrachtet. Zu Fragen über seine Beteiligung an der DOTS Prater GmbH wollte Rast weder telefonisch noch per Mail eine Stellungnahme gegenüber Zoom abgeben.

Zoom veröffentlicht die E-Mail Anfragen zur Recherche:
Anfrage an Ernst Plech und Markus Plech
Anfrage an Nikolaus Rast

Anmerkung 30.7.2019: Wir haben zunächst, nachdem Zoom von jemandem auf Twitter auf einen Fehler aufmerksam gemacht wurde, die Grafik zu den Firmenbeteiligungen von der Website genommen und um 14:52 Uhr aktualisiert. Ursprünglich wurden Anteile der DOTS Beteiligung GmbH zuerst aus Versehen Martin Ho persönlich zugeschrieben.

Anmerkung 5.8.2019: Auf Anregung der Redaktion von NEWS hat Zoom um 21:05 einen Link auf OTS.at mit einem Verweis auf NEWS.at ausgetauscht. Dabei handelt es sich um den vollständigen Artikel von Kurt Kuch. Zoom dankt NEWS für den Hinweis!