Zoom beantragt beim Straflandesgericht Wien, Sebastian Kurz als Zeugen zu laden. Foto: Dragan Tatic (CC BY 2.0)

Der Zeuge

Sebastian Kurz ist der prominenteste Zeuge zu den Machenschaften in den Clubs seines "Bruders" Martin Ho. In einem beim Landesgericht Wien anhängigen Medienverfahren beantragt Zoom die Ladung des Ex-Bundeskanzlers als Zeugen.


Wie das deutsche Nachrichtenmagazin Stern in der heute erschienenen Ausgabe bestätigt, ist bei der Staatsanwaltschaft Wien ein Verfahren gegen Martin Ho wegen Drogenhandels in seinen Clubs Pratersauna und Club X anhängig. Sebastian Kurz ist der prominenteste Zeuge zu den Machenschaften in den Lokalen seines "Bruders". In einem beim Landesgericht Wien anhängigen Medienverfahren beantragt Zoom die Ladung des Ex-Bundeskanzlers als Zeugen.

Wahrheitspflicht

"Sebastian Kurz ist wie jeder andere Staatsbürger verpflichtet, vor Gericht als Zeuge zu erscheinen. Er muss unter Wahrheitspflicht aussagen", erklärt der Wiener Medienrechtsexperte Wolfgang Renzl. Der Wiener Rechtsanwalt vertritt Zoom in medienrechtlichen Angelegenheiten. Zoom wird im Rahmen eines beim Straflandesgericht Wien anhängigen Medienverfahrens die Ladung von Sebastian Kurz als Zeugen beantragen. Martin Ho will nicht, dass Zoom den Eindruck erwecke, in seinen Räumlichkeiten würden "Koks-Partys" stattfinden, wie er es in Anträgen an das Gericht formulierte.

Ob Kurz auch im Strafverfahren zum Drogenhandel in den Clubs von Martin Ho aussagen muss, obliegt der Staatsanwaltschaft. Da ihn der ehemalige Vizekanzler auf Ibiza belastet hat, ist nicht ausgeschlossen, dass er als Beschuldigter einvernommen wird. Zoom geht jedenfalls davon aus, dass der enge Freund des Szenewirts auch zur Aufklärung des Strafverfahrens als Zeuge beitragen kann.


Zoom beantragt beim Straflandesgericht Wien, Sebastian Kurz als Zeugen zu laden. Auch "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak kann über die Gepflogenheiten in der Pratersauna berichten. Beide schweigen. Foto: Zoom/privat

"Koks-Partys"

Gemeinsam mit dem "Presse"-Chefredakteur Rainer Nowak, zwei junger Frauen und einer weiteren Person feierten Sebastian Kurz und Martin Ho im Vorfeld der Wahl 2017 im ersten Stock der Pratersauna in kleiner Runde. Im ersten Stock des Technoclubs befinden sich das Büro des Szenegastronomen und private Räumlichkeiten, die nur seinem engsten Umfeld offenstehen. Martin Ho hat dort an jenem Abend einem Gast Kokain angeboten. Der damalige Außenminister sei Ho darauf in einen hinteren Bereich der Räumlichkeiten gefolgt. Zoom wurde ein Foto von der Nacht zugespielt und konnte zwei Quellen ausfindig machen, auf deren Aussagen sich dieser Artikel stützt.

Aufgrund des Quellenschutzes und der bereits anhängigen Verfahren wird Zoom derzeit keine weiteren Details zur Nacht in der Pratersauna veröffentlichen. Ob Sebastian Kurz, dem sein ehemaliger Vizekanzler auf Ibiza unterstellte, bei Martin Ho Drogen zu kaufen, als Beschuldigter in einem Strafverfahren geführt wird, kann nur die Staatsanwaltschaft entscheiden.

Öffentliches Interesse besteht an dem Fall, weil im Raum steht, dass sich Sebastian Kurz erpressbar gemacht hat. Für Zoom steht jedenfalls fest: Sebastian Kurz muss nicht nur vor Gericht als Zeuge sondern auch in der Öffentlichkeit die volle Wahrheit sagen. Wenn er wieder als Kanzler der Republik tätig sein will, kann er seinen "Bruder" Martin Ho nicht länger durch Schweigen schützen. Auch zu den Widersprüchen in seiner repressiven Drogenpolitik muss er Stellung beziehen.

Zoom hat sich entschieden, die Serie "Kurz und Ho" um eine zweite Staffel zu verlängern. Der erste Verhandlungstermin zum Medienverfahren um angebliche "Koks-Partys" findet am 24. Oktober 2019 im Landesgericht für Strafsachen Wien statt.

Update 26. September 2019 19:45 Uhr: Link zu den "Widersprüchen in seiner repressiven Drogenpolitik" wurde ergänzt und zwei Tippfehler ausgebessert.